Nier: Automata im Test: schräg, spannend & garantiert kein Einheitsbrei (2024)

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Test Katharina Pache - Autorin

Wenig Aufmerksamkeit war Nier im Jahre 2010 beschieden. Viele Tester diagnostizierten dem Action-Adventure-Genremix eher durchschnittliche Qualitäten. Hölzerne Gefechte, öde Spielwelt - nur in einem Punkt waren sich die wenigen Personen einig, die ihre PS3 mit dem Werk gefüttert hatten. Die Geschichte und Atmosphäre, die seien wirklich außergewöhnlich.

Aktuelle Änderungen hervorheben

Für die Fortsetzung Nier: ­Automata zog Square Enix die Schrauben gezielt dort an, wo ­Verbesserungen nötig waren. ­Niemand anderes als die Action-­Experten Platinum Games wurden für die Entwicklung engagiert. ­Dementsprechend wundervoll fühlen sich die Gefechte an, egal, ob auf dem Boden oder in der Luft. Aber der Reihe nach. Wer kämpft denn ­eigentlich gegen wen? Und vor allem warum?

Das PC-Update findet ihr am Ende des Artikels!

Eine eigene Mondbasis


Einst mussten fast alle Menschen die Erde verlassen, als Aliens, besser gesagt deren Roboterkreationen, unseren Heimatplaneten angriffen. Tausende Jahre dauert der Konflikt schon. 2B und 9S, die Protagonisten von Nier, sind Androiden und sollen auf der verwüsteten Erde eine Gruppe Widerständler unterstützen. Die zunächst seelenlos wirkenden Stahlgegner haben weitaus mehr Innenleben, als man vermuten könnte. Einige von ihnen leben friedlich, handeln mit den Menschen, entwickeln Emotionen, Religiosität und alles, was sonst zu einer Kultur dazugehört.

Auf den ersten Blick wirft Nier die altbekannte Frage auf: Was ist Leben? Was ist Menschlichkeit? Zumal die Spielfiguren ja auch "nur" Maschinen sind, bloß dass sie eben auf Seite der Menschen kämpfen. Wer nun befürchtet, ausgelutschte, pseudophilosophische Antworten auf diese Fragen präsentiert zu bekommen, liegt falsch. Director Taro erzählt eine nihilistischere Geschichte, als man es von der Holly­wood-Behandlung dieser Thematik gewohnt ist. Gut möglich, dass gar nicht alle Spieler davon erfahren werden. Denn wer glaubt, Nier nach etwa zehn Stunden und dem ersten Durchspielen abgeschlossen zu haben, der irrt sich gewaltig. Wir wollen an dieser Stelle nichts vorweg nehmen, deshalb sagen wir nur noch so viel dazu: Das, was Nier bietet, ist weitaus mehr als ein schnöder New Game Plus-Modus und wird Geschichte, Dialoge und Interaktionen, sogar Spielelemente in einem neuen Licht scheinen lassen. Quelle: PC GamesBlick in die Vergangenheit: Schon lange hat die Natur die Großstädte der Menschen zurückerobert. Nicht ganz so hübsch wie in The Last of Us, dennoch eindrucksvoll.

Ein Potpourri der Ideen

Quelle: PC GamesExplosionsgefahr: Die meisten explodierenden Maschinen stellen keine Gefahr für euch da. Ihr solltet aber jederzeit mit fiesen, neuen Tricks bei bekannten Gegnern rechnen.Nier bietet unglaublich viele unterschiedliche Spielelemente, die trotzdem schön miteinander verzahnt sind. Zum einen ist da das Kampf­system: Wer Bayonetta oder ein anderes Action-Game aus dem Hause Platinum gespielt hat, fühlt sich sofort wohl in der stilvollen, flotten und komplexen Mechanik. Neben unterschiedlichen, aufwertbaren Waffen kommt dabei euer Pod zum Einsatz - ein kleiner, fliegender Begleiter, der auf Ziele schießt, und den ihr mit Sekundärfunktionen wie einem Laser oder einem Scanner ausrüsten dürft. Die meiste Zeit werdet ihr zudem von 9S begleitet, einem männlichen Androiden, der als Späher-Modell besonders viel Hacking-Talent besitzt. Roboter verhaut ihr also in einem fliegenden Wechsel zwischen Tritten, Schlägen, Schüssen und dem präzisen Ausweichen auf Knopfdruck. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad geht das für Platinum-Kenner flott und ohne Probleme vonstatten. Im einfachen Modus müsst ihr euch quasi gar keine Sorgen machen und für mehr Herausforderung stehen die Stufen "Schwierig" und "Extrem" bereit. Auch wenn ihr euch bereits für einen Schwierigkeitsgrad entschieden habt, könnt ihr ganz einfach nachjustieren, denn ihr habt in der Hand, wie der Chip von 2B zusammengesetzt ist.

Wenn ihr etwa das Modul für die Lebensenergieanzeige ausbaut, habt ihr Platz, um einen Code für das Erhöhen der Angriffskraft einzuspeichern. Quelle: PC GamesIn der Kugelhölle: Viele Feinde verzieren den Bildschirm mit kompletten Geschossmustern. Die hellen Kugeln könnt ihr aber immerhin abballern und so entfernen.Dann seht ihr aber nicht mehr, wie weit vom Bildschirmtod 2B noch entfernt ist. So bestimmt ihr nicht nur alle Anzeigen, sondern auch, auf welchen Aspekt ihr euren Charakter konzentrieren möchtet. Als Mitglied der Androiden-­Armee greifen 2B und 9S regelmäßig auf Flugeinheiten zu. Hier erinnert das Spiel an klassische Shoot'em Ups: Weicht aus der Draufsicht beim Fliegen Geschossen und Feinden aus, feuert Raketen ab und versucht, nicht in diverse Hindernisse zu krachen. Diese Sequenzen sind nie zu lang und fügen sich überraschend stimmig in das Gesamtbild ein. Da passt es irgendwie auch, das so mancher normale Gegner am Boden mit Geschosssalven den Bildschirm bedeckt. Statt findet das Spektakel in einer offenen Spielwelt - richtig gehört, auch das steckt noch in diesem außergewöhnlichen Genremix.


Eine (menschen-)leere welt

Quelle: PC GamesVorsicht, scharf: Die Sägeblätter zerhäckseln euch im Nu. Hier zahlt es sich aus, wenn ihr das präzise Ausweichen verinnerlicht habt, das an das gleiche System in Bayonetta erinnert.In klassischer Open World-Manier erledigt ihr nach Lust und Laune Nebenaufgaben, findet Geheimnisse (zum Beispiel neue Waffen) und levelt euren Charakter durch die Kämpfe in der postapokalyptischen Welt auf. Wer nicht möchte, muss kaum Aufgaben nebenher erledigen. Viele davon sind spielerisch vielleicht nicht weltbewegend, verraten aber interessante Facetten von Welt und Charakteren. Es gibt sogar ein Angel-Minispiel, bei dem ihr euren Pod-Begleiter ins Wasser werft und diverse Maschinen, Tiere und Müll aus dem Wasser hievt. Amüsant dabei: Der Müll ist am meisten wert. Oder ihr reitet auf Tieren wie Elchen und Riesenwildschweinen durch die verlassene Welt. So ganz offen ist die zugegeben große Spielwelt aber doch nicht: Einige Bereiche könnt ihr erst betreten, wenn ihr einen gewissen Punkt innerhalb der Handlung erreicht habt. Neben klassischen Schauplätzen wie überwucherten Großstadtruinen bekommt man auch außergewöhnliche Settings zu Gesicht, etwa einen verlassenen Vergnügungspark, der nun fest in der Hand von gruseligen Clown-Robotern ist.

Zunächst ungewohnt ist das Wechseln der Kamera zu einer Seitansicht in ausgewählten Momenten. Eingesetzt wird das Stilmittel vor allem dann, wenn die Umgebung betont werden soll, etwa lange Flure oder gewundene Treppen. Durch die Umstellung fällt es aber durchaus schwer, Feinde zu treffen oder ihnen auszuweichen. Das gleiche gilt für feste, schräge Kamerawinkel bei einigen Bosskämpfen. Diese sind im Großen und Ganzen ordentlich inszeniert, aber nicht herausragend einfallsreich. Zumal wir bei einem starken Feind einen Komplettabsturz des Spiels auf der PS4 verzeichnen mussten und deshalb beinahe 45 Minuten Fortschritt verloren! Das hängt mit dem ungewöhnlichen, um nicht zu sagen ­archaischen Speichersystem von Nier zusammen. Es gibt keinerlei Autosave-Unterstützung. Was ihr nicht manuell gespeichert habt, das ist zwangsläufig verloren. Das gilt auch für den Beginn des Spiels! An festgelegten Speicherstationen könnt ihr euren Fortschritt sichern, und im Menü habt ihr eine Schnellspeicherfunktion. Doch die könnt ihr nur nutzen, wenn ihr in der Nähe einer Speicherstation seid, die ihr "befreit" habt (manche davon werden von Robotern attackiert). Als Erinnerung könnt ihr zum Beispiel den Chip auf eurem Modul installieren, der euch anzeigt, wann ihr wieder speichern könnt. Zumindest einmal werdet ihr aber ziemlich sicher einen Teil eures Fortschritts verlieren. Wenn das nur wegen der eigenen Nachlässigkeit oder Vergesslichkeit passieren würde, wäre das ja in Ordnung. Richtig frustrierend ist es aber, wenn Bugs oder Abstürze schuld daran sind, dass man Passagen ein weiteres Mal in Angriff nehmen muss.
Quelle: PC GamesKaspertheater? Der Vergnügungspark ist nicht verlassen, hier tummeln sich jede Menge Maschinen. Werdet ihr sie angreifen oder in Ruhe lassen?

Schöne neue Welt?

Quelle: PC GamesMutter, Vater, Roboter: Einige Maschinen nehmen Rollen ein, die sie sich bei den Menschen abgeschaut haben. Wir haben den Kind-Roboter zur Mutter-Maschine eskortiert.Mit dem Großstadtdschungel eines The Last of Us kann Nier: Automata nicht mithalten. Gerade die Texturarbeit im Spiel lässt zu wünschen übrig. Böden und Wände sehen oft eintönig und flach aus. Dass man viele Öffnungen, in die 2B locker hineinpassen würde, nicht durchqueren kann, sorgt an einigen Stellen für Verwirrung. Zudem gibt es schöne und weniger schöne Bereiche. Die überwucherten Stadtruinen etwa sehen trotz der mauen Technik dank netter Beleuchtung recht ansprechend aus, die im Meer versunkenen Abschnitte der ehemaligen Großstadt hingegen leiden unter einem Grauschleier und extrem karger Umgebung.

Das Design der Roboter ist hingegen markant und charmant zugleich - so richtig hassen kann man die kullerköpfigen Kreaturen einfach nicht. Ihnen gegenüber stehen die hochgewachsenen, hübschen Androiden, die ganz dem typischen Anime-Stil entsprechend fragil und puppenhaft erscheinen. Ein besonderes Lob zollen wir der musikalischen Untermalung: Die Stücke erinnern teilweise an die unvergessenen Melodien aus dem Anime-Klassiker Ghost in the Shell - der ja auch thematisch nicht weit weg ist von Nier: Automata. Dazu kommen kindlich wirkende Gesänge in Bereichen, wo friedliche Roboter leben und treibende Rhythmen in Kämpfen. Nicht ganz so überzeugend sind die (englischen) Sprecher, allerdings sind manche Sätze auch recht lächerlich, wodurch es schwerfällt, sie überzeugend zu artikulieren. Die Roboter hingegen sind recht gut synchronisiert.

Quelle: PC GamesGundam lässt grüßen: Regelmäßig nehmt ihr in den Flugmaschinen Platz. Sie funktionieren in zwei Modi, einmal als Mech, zum anderen als Flugzeug.

Mal was anderes

Quelle: PC GamesMaschinenvielfalt: Die Roboter kommen in allen Größen und Formen. Viele sind nicht einmal aggressiv. Dieser Axtträger hingegen schon!Die Stärke von Nier ist das gewisse Maß Schrägheit, das dem Spiel anhaftet, verbunden mit einer überraschend deprimierenden, oder eher nüchternen Präsentation der Handlung. Platinum Games sei Dank ist aber nicht nur auf der geistigen Ebene was geboten, die Kämpfe nämlich machen viel Spaß und durch die Chip-Manipulation hat man beim Expertimentieren freie Hand. Die technischen Probleme nerven aber, und das bezieht sich nicht nur auf die altbackene Grafik, sondern auch auf Abstürze in Kombination mit dem erwähnten Oldschool-Speichersystem.

Die PC-Version

Gleich vorneweg: Ohne Probleme läuft Nier: Automata auch auf dem Rechner nicht. Bei manchen AMD-Karten-Setups in Kombination mit Windows 10 als Betriebssystem verweigert das Spiel sogar komplett den Dienst, bevor nicht ein Treiber-Update vorgenommen wird. Mit unserer NVIDIA GeForce GTX 970 gab es in dieser Hinsicht zum Glück keine Probleme. Die Einstellungsmöglichkeiten bei den Grafikoptionen sind nicht sonderlich zahlreich, zudem gibt es wenig auffällige Unterschiede zwischen Low- und High-Settings, außer, dass selbst starke Systeme bei den höheren Einstellungen merklich ins Schwitzen kommen. Die Texturen sind dann vielleicht etwas schärfer und das Anti-Aliasing besser, einen Schönheitspreis gewinnt Nier: Automata aber auch mit Ideal-Einstellungen nicht. Eine offizielle Unterstützung für 4K sucht ihr vergeblich, und selbst in 1080p wird nur hochskaliert (jedenfalls, wenn ihr nicht im Fenstermodus spielt). Allerdings gibt es für dieses Manko sowie die auf 30 Frames pro Sekunde beschränkten Zwischensequenzen bereits Community-Lösungen.

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Nier Automata: Video-Grafikvergleich - PC vs. PS4 Pro - welcher Androide ist hübscher?

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Sieben Jahre nach Release erreicht Nier Automata einen imposanten Meilenstein1Zum siebten Geburtstag von Nier: Automata verkündet Platinum Games eine große Überraschung.Ihr wollt Nier 3? Serien-Schöpfer sagt, dass ihr es schon hattet0Fans warten immer noch gespannt auf einen Nachfolger zum Hit Nier Automata, doch laut dem Serien-Schöpfer ist dieser schon lange draußen.Cosplay von 2B aus Nier Automata kämpft für die Menschheit3Nier-Automata-Fans beeindrucken immer wieder mit ihrer Kreativität, so auch diese Cosplayerin. Diese 2B ist bereit für jeden Kampf!

Steuern lässt sich Nier: Automata sowohl mit Maus und Tastatur, als auch mit angeschlossenem Controller. Mit beiden Varianten kann man das Spiel (mehrmals) durchspielen, allerdings sind die Abschnitte, in denen ihr als Mecha auf Feinde ballert, mit Maus und Tastatur eine echte Qual. Dafür habt ihr auf dem Keyboard eine Taste für automatisches Laufen - das gibt es auf dem Controller gar nicht. Das Ausweichen mit einem doppelten Drücken auf die jeweilige Richtungstaste ist umständlicher und weniger präzise als mit dem Gamepad, wo ein designierter Knopf den Move aktiviert. Am besten fühlt sich Nier mit dem Controller in der Hand an.

Wertung zu Nier: Automata (PS4)

Wertung:

8/10

Wertung zu Nier: Automata (PC)

Wertung:

8/10

Pro & Contra

Tolles Kampfsystem mit viel Raum für AnpassungenSehr spannendes SettingWendungsreiche GeschichteGuter UmfangKurzweilige FlugabschnitteGelungene musikalische UntermalungKeine Kenntnisse des Vorgängers nötig

Abstürze (PS4)Verlust von Spielfortschritt ohne eigenes Verschulden(PS4)Gelegentliche BugsOftmals sehr karge UmgebungenNebenmissionen teilweise langweiligEin paar der üblichen Anime-Klischees bei Charakteren und StoryFramerate nicht immer stabilM/T-Steuerung in vereinzelten Abschnitten schlecht umgesetzt (PC)Wenig Einstellungsmöglichkeiten bei Grafikoptionen (PC)

Fazit

Technisch nur Mittelmaß, spielerisch und erzählerisch aber bemerkenswert frisch und unterhaltsam.

Bildergalerie

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